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Bild des Monats Oktober 2008.
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August Macke (1887 – 1914)
Innenhof des Landhauses in St. Germain, 1914, Aquarell auf Papier, 20 x 26 cm, Städtisches Kunstmuseum Bonn

August Macke, Innenhof des Landhauses in St. Germain

Wir liegen in der Sonne, essen Spargel etc. Dabei kann man sich herumdrehen und hat Tausende von Motiven ... schreibt August Macke im April 1914 aus St. Germain in Tunesien an seine Frau. Und er fährt fort: Es geht wie der Teufel und ich bin in einer Arbeitsfreude, wie ich sie nie gekannt habe.

Gemeinsam mit seinen Malerfreunden Paul Klee (1879-1940) und Louis Moilliet (1880-1962) verbringt Macke die Kar- und Ostertage im Landhaus des Schweizer Arztes Dr. Jäggi. Dieses Haus liegt in St. Germain, dem Europäer - Viertel in der Nähe von Tunis. Für Macke sind die Tage dort der Höhepunkt der kunsthistorisch legendär gewordenen Tunisreise. Verzaubert von den Farben und Formen des Landes und von der Lebensweise seiner Einwohner fertigt er zahlreiche Skizzen und die bedeutendsten Aquarelle seines zweiwöchigen Aufenthalts in Nordafrika. Dazu gehört das Aquarell „Innenhof des Landhauses in St. Germain“.

Wie durch ein Guckloch gewährt uns Macke Einblick in den Innenhof eines Landhauses. Es scheint wie der verbotene Blick durch das Geäst eines Baumes in die ruhige Idylle eines in zarten Pastelltönen gemalten Innenhofes. Macke malte den Hof eines benachbarten Hauses von Dr. Jäggis Terrasse aus. Wir erkennen die Balustrade der Terrasse als Schatten am unteren Bildrand sowie einen großen Baum mit weitem Geäst im Vordergrund. Beide - Balustrade und Baum - entsprachen, wie wir von einem zeitgleich gemalten Bild Mackes wissen, den Gegebenheiten vor Ort. Macke setzte sie hier ein, um die Atmosphäre des Geheimnisvollen und Idyllischen hervorzurufen - der verborgene Blick in ein kleines Paradies.

Zwei Männer in Landestracht befinden sich in dem kleinen Innenhof, der von der Gartenfront des Hauses, einer Steintreppe, einem Gartenzaun und einem Blumenbeet umgrenzt ist. Der in Weiß gekleidete Mann sitzt in Gedanken versunken auf einer Bank, während der zweite Mann sich anschickt, den Hof zu verlassen. Eine weiße Steintreppe führt zu einem Balkon hinauf. Zwei mit blauen Laden verschlossene Fenster flankieren eine Balkontüre.

 

Die exakten Umrisse des Hauses verschwinden in einer Flut von gelb-orange-roten Farbflächen und lassen nur andeutungsweise die Form eines roten Daches erkennen. Sonnengelbe Farbflächen umgeben das Haus wie ein gezackter Heiligenschein. Grüne, dunkelblaue und schwarze Farbfelder am oberen Bildrand stellen die Welt außerhalb der Innenhof-Idylle dar, die Macke wie eine sonnenumstrahlte Oase aus Natur und Architektur, in der der Mensch Geborgenheit findet, malte.

Die Sehnsucht nach einem modernen Paradies, in dem der Mensch im Einklang mit sich und der Natur ist, war für Macke Hauptthema seiner Malerei. Nicht grüblerisch und auch nicht naiv, sondern aus einem positiven Lebensgefühl heraus, entdeckte er Momente dieses Paradieses in seiner Zeit: Menschen in zoologischen Parks, in der Natur, in der Stadt, in Wohnräumen - oder wie hier im orientalischen Kulturraum.

Stets überrascht die scheinbare Leichtigkeit, mit der Macke das Gesehene in Form und Farbe fasste. Sie gibt die Auseinandersetzung des Künstlers mit den zeitgleichen französischen Kunststilen zu erkennen. Wie bei Picasso (1881-1973) und Braque (1882-1963), den Vätern des Kubismus, ist das Motiv auf seine Fläche reduziert, doch bleiben die Kanten weicher. Die Perspektive verliert ihre Jahrhunderte alte Bedeutung für die Darstellung.

Stattdessen baute Macke sein Aquarell durch das bewusste Gegen- und Nebeneinandersetzen von Farbflächen auf und erzeugte damit zugleich Raumwirkung. Robert Delaunay (1885-1941), Mackes Malerfreund hat diese „Orphismus“ genannte Technik erfunden. Farbe, Licht, Raum und Bewegung sind ihre künstlerischen Maxime. Macke führte sie durch seine lichtdurchstrahlten Farben und durch sein Festhalten an gegenständlichen Bildthemen zu einer eigenen Dimension.

Literaturtipp:
Ursula Heiderich, August Macke – der hellste und reinste Klang der Farbe, Ostfildern 2008.
Ausstellungskatalog, August Macke – Aquarelle, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, hg. v. Ursula Heiderich, Münster, Westfalen, Stuttgart 1997.
B. Weyandt, Farbe und Naturauffassung im Werk von August Macke, Hildesheim, Zürich, 1994.

Ausstellungen:
Bonn, August Macke Haus, Infos unter www.august-macke-haus.de
Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, Infos unter www.lenbachhaus.de
„Spuren des Geistigen“, Ausstellung vom 19. September 2008 bis 11. Januar 2009 im Haus der Kunst, München, Info unter www.hausderkunst.de

 
 

 

 

 

 
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