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Bild der Monate Juni/Juli/August 2008.
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Piero della Francesca, (zwischen 1416/17 – 1492), Taufe Christi, um 1450, Eitempera auf Pappelholz, 167 x 116 cm, National Gallery, London

Piero della Francesca

Andacht und Erhabenheit erfüllen diese Darstellung, die Piero della Francesca in seine toskanische Heimat verlegt, deren terrassierte Landschaft den Hintergrund bildet: zwischen der Gestalt Christi und dem Baumstamm ist Pieros Geburtsstadt Sansepolcro zu erkennen.

Genau in der Bildmitte steht Christus, der durch Johannes das Sakrament der Taufe empfängt. Über Christus schwebt der Heilige Geist in Gestalt der weißen Taube. Links stehen drei Engel mit ernstem Gesicht, rechts streift ein Büßer sein Gewand ab, um sich ebenfalls taufen zu lassen. Weiter im Hintergrund sind Hohepriester zu erkennen, deren farbige Gewänder sich auf der Wasseroberfläche spiegeln.

Wenngleich schriftliche Belege fehlen, so kann doch kein Zweifel darüber bestehen, dass das Bild für eine Kirche in Sansepolcro (wahrscheinlich San Giovanni) gemalt wurde. Im Zuge der Säkularisierung gelangte das Bild um 1807 in den Dom der Stadt, wo es als Mittelteil eines Altarwerkes erwähnt wird. Die Seitenteile des Altars schuf der Sieneser Maler Matteo di Giovanni, dessen Familie ebenfalls aus Sansepolcro stammte. Von hier erwarb 1857 ein englischer Händler die Mitteltafel, welche 1861 von der National Gallery ersteigert wurde. Die Seitenteile des Altars hingegen befinden sich noch heute im Dom von Sansepolcro.

Hinsichtlich der Entstehung des Gemäldes gehen die Meinungen weit auseinander. Die vorgeschlagenen Datierungen reichen etwa von 1440 bis 1465. Diese außerordentliche Divergenz erklärt sich aus der verbreiteten Auffassung, dass Piero della Francesca seinen Stil im Laufe seiner Schaffenszeit nur wenig verändert hat.

Charakteristisch für diesen Stil ist die kühle Ausgewogenheit der festen, zylindrischen Figuren, die lyrische Landschafts-Auffassung und die intensive Kraft des Lichtes – Merkmale, die auch die Londoner Tafel aufweist.

 

Mit dieser Malweise nimmt Piero della Francesca innerhalb der italienischen Frührenaissance eine Sonderstellung ein. Seine stilisierte, auf geometrische Grundformen reduzierte Bildsprache, deren Abstraktion die Kubisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts anregte, wirkt noch heute überraschend modern.

Die geometrische Idealisierung und die konsequente perspektivische Erfassung des Bildraums finden ihre Erklärung vor allem durch die mathematische Passion Pieros, der drei theoretische Traktate verfasste: über die Geometrie, die Perspektive und den Abakus.

Entscheidend für die verschiedenen Datierungsvorschläge ist die Entschlüsselung des Bildmotivs, dass von dem üblichen Schema der Taufe-Christi-Darstellungen abweicht. Hier ist als wesentliche Veränderung zu nennen, das die Engel auf der linken Seite nicht die Kleider Christi in ihren Händen halten. Als eigenständige, geschlossene Figurengruppe, sind sie deutlich von Christus und dem zentralen Taufzeremoniell getrennt. Durch diese Isolierung erhält die Engelgruppe eine zusätzliche symbolische Bedeutung - der räumlichen Trennung entspricht eine thematische.

So brachte Charles de Tolnay die Engel mit den drei Grazien in Verbindung, wie sie auf zeitgenössischen Medaillen zu finden sind. Eine These, die von M. Tanner weiterentwickelt wurde. Er erkennt im mittleren Engel eine Nachahmung der römischen Concordia und verweist auf den 1439 in Florenz verhandelten Religionsfrieden zwischen der Ost- und Westkirche. Der Händedruck der beiden Engel symbolisiert für Tanner das Ende des Schismas.

Die Hoffnung auf einen fortwährenden Frieden zwischen der westlichen und östlichen Kirche wurde jedoch mit der Eroberung Konstantinopels durch die osmanischen Türken im Jahre 1453 zunichte gemacht. Diese zeitgenössischen Ereignisse - die ´Geißelung` der Christen im Osten sowie der Kampf im Zeichen des Kreuzes - thematisiert Piero della Francesca in seiner einzigartigen Bildsprache auch in weiteren Werken.

Literaturtipp:
Charles de Tolnay, La Résurrection du Christ par Piero della Francesca, in: Gazette des Beaux Arts 43, 1954, S. 35-40; M. Tanner, Concordia in Piero della Francesca`s Baptism of Christ, in: Art Quarterly 35, 1972, S. 1-20; B. Laskowski, Piero della Francesca, Köln 1998. A. Jahnsen, Perspektivregeln und Bildgestaltung bei Piero della Francesca, München 1990. C. Ginzburg, Erkundungen über Piero. Piero della Francesca, ein Maler der frühen Renaissance, Berlin 1994. R. Toman (Hg.), Die Kunst der italienischen Renaissance, Köln 1994.
B. Roeck, Mörder, Maler und Mäzene, Piero della Francesca „Geisselung“; eine kunsthistorische Kriminalgeschichte, München, 2007.

Ausstellungen:
z. Zt. keine aktuellen Ausstellungen zum Thema

 
 

 

 

 

 
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