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Bild des Monats April 2008
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Adolph von Menzel (1815 - 1905), Reisepläne, 1875, Gouache auf Pappe, 15,2 x 30,5 cm
Essen, Museum Folkwang

"Es sind gewissermaßen flüchtige Momentbilder, in denen nur die Natur, welche die Folie bildet, das Bleibende ist."
Der Kunstkritiker Adolf Rosenberg
anlässlich der Menzel-Ausstellung, 1885.
Nachdem Adolph von Menzel begonnen hatte, die Eindrücke seiner Paris-Aufenthalte der Jahre 1855, 1867 und 1868 malerisch wiederzugeben, richtete er seine Aufmerksamkeit nach Berlin und die dort lebende Bourgeoisie. Es entstanden einige Bilder in Aquarell-Technik, die sich durch eine auffallend heitere Leichtigkeit auszeichnen. Die Reisepläne sind hierfür ein besonders schönes Beispiel. Dicht verwoben erscheint auf dem Bild die Natur mit den modernen wohlhabenden Menschen. Es sind die sommerlichen Vergnügungen der Großstädter, die Adolph von Menzel Anlass zu diesem Bild gegeben haben.
Zwei Männer beugen sich auf der Terrasse ihres Hauses, vielleicht auch eines Kurhotels, mit dicken Zigarren ausgestattet über eine Karte. Während sie sich über eine möglichst genussreiche Reise Gedanken machen, betrachten die Damen rechts im Bild erwartungsvoll und schwärmerisch die Natur. Eine weitere Frau schreitet über eine Freitreppe der Terrasse zu. Die Dargestellten bleiben, wie fast immer in den Bildern Menzels, anonym.
Das Gemälde überrascht durch seine sehr gegensätzliche Farbigkeit. Alle Gegenstände, die Jetztzeit signalisieren, konzentrieren sich in der starkfarbigen Männergruppe und der genauen Wiedergabe ihres unmittelbaren Umfeldes wie z.B. den scharf konturierten Gartenmöbeln, dem scheinbar in freudigem Überschwang auf die Seite gestellten Tablett mit Mokkatasse und Silberlöffel, dem Glas und der Flasche. Auch die Terrassenarchitektur, die Vorder- und Hintergrund scharf voneinander trennt, ist in zeichnerischer Detailtreue aufgeführt. Erst das in den Garten führende Gelände der Freitreppe taucht mit seinem Ende in den undurchdringlichen Dunst der Natur ein.
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Die Frauengestalten wirken in ihrer Leichtigkeit und Sensibilität als Bindeglied zwischen den aktiven, zielgerichteten Männern und der flirrenden, unberechenbaren Natur. Dieses Spannungsfeld wird durch die hinzutretende Dame, die sich offensichtlich dieser illustren Gesellschaft anschließen möchte, noch gesteigert, weil sie den beiden Paaren nicht unmittelbar zugeordnet werden kann.
Scheinbar unerwartet betritt sie die vordere Bildbühne. Keine der vier Personen auf der Terrasse schenkt ihr Beachtung. Allein der Hund, Symboltier der Treue, richtet seine gespannte Aufmerksamkeit auf den Neuankömmling. Man spürt geradezu, dass die freudigen Reisepläne und die damit verbundenen Erwartungen und Wünsche abrupt eine andere Wendung nehmen könnten. Dennoch, die malerische Behandlung der Landschaft, die Zartheit des wundervoll schimmernden Kolorits mutet nur vordergründig melancholisch.
Trotz des kleinen Bildformats ist ein Vergleich mit den größten Künstlern seiner Zeit zulässig, etwa mit Edgar Degas, der Menzel sehr schätzte. So stellte der zeitgenössische französische Kritiker Edmond Duranty fest, dass Adolph von Menzel, neben Degas, einer der wenigen modernen Künstler sei, der die Zeitgenossen in ihrer sozialen Umwelt erkannt und überzeugend wiedergegeben habe.
Literatur:
Lit.: Christiane Lange, Bernhard Maaz: Adolph Menzel. Radikal real, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, München 2008. Jens Christian Jensen, Adolph von Menzel, Köln 2003. Werner Busch, Adolph Menzel, Leben und Werk, München 2004. Thomas Gaehtgens (Hrsg.) Adolph Menzel im Labyrinth der Wahrnehmung, Kolloquium anlässlich der Berliner Menzel-Ausstellung 1997, Berlin 2002. Claude Keisch (Hg.): Adolph Menzel, 1815-1905, Das Labyrinth der Wirklichkeit, Köln 1996.
Ausstellungstipps:
Adolph Menzel. Radikal real, Ausstellung in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München, 16. Mai bis 31. August 2008, www.hypo-kunsthalle.de
www.museum-folkwang.de
Veranstaltungstipps:
3. April 2008, 19.00 Uhr, Alte Nationalgalerie Berlin: Menzels unbestechlicher Blick.
17. April 2008, 19.00 Uhr, Alte Nationalgalerie Berlin: Adolph Menzel und das moderne Historienbild.
4. Mai 2008, 14.00 Uhr, Alte Nationalgalerie Berlin: Verliebt, verlobt, verheiratet – Frauen auf Gemälden des 19. Jahrhunderts.
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