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Bild des Monats März 2008
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Sandro Botticelli (1445-1510),
Venus und Mars, um 1485,
Tempera und Öl auf Pappelholz,
69,2 x 173,4 cm, National Gallery, London

„Denn du (Venus) vermagst die Menschen mit ruhigem Frieden zu erfreuen, da ja der waffenmächtige Mars die wilden Werke des Kampfes lenkt, (Mars), der oft sich in deinem Schoße zurücklehnte, besiegt von der ewigen Wunde der Liebe ...“ Diese bildhafte Beschreibung des antiken Dichters Lucrez (etwa 94-55 v.Chr.) ist eine der literarischen Quellen, die Botticelli zu seinem Gemälde inspiriert haben mag.
Die zweite Textvorlage steuerte Lukianos (etwa 120-180 n.Chr.) bei, der von einem Bild des antiken Malers Aetion berichtet, dass Alexander den Großen mit seiner Gattin Roxana darstellte. In diesem Gemälde „... spielen Liebesgötter mit der Rüstung Alexanders; zwei tragen seinen Speer, wie Lastträger einen schweren Balken tragen; zwei weitere fassen die Griffe des Schildes und zerren ihn herum, während einer von ihnen darauf liegt (...) und noch einer ist in den Brustharnisch geschlüpft, dessen Höhlung nach oben gekehrt ist.“
Botticelli übernimmt diese Textvorlagen nicht wortwörtlich. Vielmehr variiert er in seinem Gemälde das Thema von der Zähmung der kriegerisch-männlichen Aggression durch den besänftigenden Einfluss der liebenden Frau. Anlass für die Auftragsvergabe war wohl die Hochzeit zwischen Jacopo di Giovanni Salviati und Lucrezia de` Medici, der ältesten Tochter Lorenzo des Prächtigen.
Die Gegenüberstellung von männlicher Nacktheit und weiblichem Bekleidetsein weicht von der damaligen Norm ab, denn in vergleichbaren Darstellungen jener Zeit erscheint eher die Frau fast vollständig nackt. |
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Ein Detail des Bildes deutet allerdings darauf hin, dass auch Venus bald unbekleidet sein könnte: Zu ihrer aufwendig gestalteten Frisur gehören zwei über die Schultern nach vorn laufende Zöpfe, die sich zwischen ihren Brüsten treffen und dort von einer perlenbesetzten Brosche zusammengehalten werden. Mit dem Entflechten der Zöpfe oder dem Öffnen des Haares ist so auch die Entkleidung der Frau verbunden.
Kaum weniger prominent als Venus und Mars sind die vier kleinen Satyrn, lüsterne, oft trunkene Fabelwesen, die man seit der Antike als Begleiter des Bacchus kennt. Sie repräsentieren die Aggressivität und die animalische Triebnatur des Menschen.
Zu den interessantesten und zugleich gefährlichsten Eigenschaften der antiken Göttergeschichten zählt ihre Vieldeutigkeit. Das gilt auch für das Bild mit Venus und Mars, denn der Gemahl von Venus ist der Gott Vulkan, Mars ist ihr Liebhaber. Dennoch ist die Bändigung des Mars in Botticellis Gemälde im Zusammenhang der damals geltenden Moralvorstellungen zu deuten. Venus ist gleichsam die Identifikationsfigur der Gattin, die eine effektive Bändigung der Wollust im Rahmen der Ehe garantieren soll.
Das Gemälde dürfte als bildlicher Schmuck auf der Innenseite einer (Hochzeits)Truhe seinen Platz gefunden haben. Denkbar wäre auch eine Anbringung innerhalb einer hölzernen Wandverkleidung des Schlafgemachs oder der Rahmung oberhalb des Bettes, wo die Bilder eine stimulierende Wirkung entfalten sollten.
Darauf verweist beispielsweise der Florentiner Humanist Leon Battista Alberti in seiner Abhandlung über die Baukunst: „Dort, wo man sich mit der Frau vereinigt, sind ausschließlich besonders noble und schöne gemalte menschliche Formen zu empfehlen, denn, so sagt man, dies ist sehr wichtig für die Empfängnis der Frauen und die Schönheit der Nachkommen.“
Kein Wunder, dass gegen solcherart stimulierende Bilder der in Florenz tätige Prediger Girolamo Savonarola wetterte: „und die Häuser der Bürger – was soll ich ihnen sagen? Keines Kaufmanns Tochter macht Hochzeit, ohne ihre Aussteuer in einer Truhe zu verwahren, die nicht mit heidnischen Geschichten bemalt wäre. So lernt die neu vermählte Christin den Trug des Mars und Vulkans Listen eher kennen als die berühmten Leben heiliger Frauen in beiden Testamenten.“
Literatur:
H. Körner, Botticelli, Köln 2006. F. Zöllner, Sandro Bottticelli, München 2005.
Ausstellung:
Zur Zeit finden keine aktuellen Ausstellungen statt.
www.nationalgallery.org.uk
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