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Bild des Monats Februar 2008
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Hans Baldung Grien (1484 oder 1485 - 1545), Zwei Hexen, 1523. Frankfurt a.M., Städelsches Kunstinstitut, Mischtechnik auf Lindenholz, 65 x 45 cm

Hans Baldung, Zwei Hexen

Hans Baldung hat das Hexenthema zwar mehrfach in Zeichnungen und Holzschnitten behandelt, als Vorlage für ein Tafelbild diente es ihm jedoch nur ein einziges Mal. Das Frankfurter Bild muss als ausgesprochenes Kabinettstück für einen Sammler entstanden sein, der uns aber leider nicht bekannt ist.

Von dem Bild geht eine erregende Stimmung aus. Vor dem wild phantastischen, wie von einem großen Brand hell erleuchteten Himmel sehen wir zwei nackte Frauen auf einer flach ansteigenden Hügelkuppe. Die Hexen haben sich beim nächtlichen Stelldichein zur Feier des Hexensabbats getroffen. Dazu gehört der Ziegenbock, auf dem die üppige Frau zum Sabbat geritten ist, ebenso wie das Teufelchen, das wie ein Taucher in der mit rotem Wachs versiegelten Flasche eingeschlossen ist. Denn solche „in Ringen, Flaschen, Spiegeln eingeschlossenen Dämonen“ waren eines der üblichen Zaubermittel.

Die Gebärden der Frauen und der erregte Blick des drallen Putto haben etwas geheimnisvoll Kultisches, sie gemahnen an Zauber und Beschwörung. Absichtsvoll wird der Betrachter in das Geschehen eingebunden. Besonders die jüngere Frau zieht mit ihrem Lächeln und dem Blick aus den großen dunklen Augen den Zuschauer in ihren Bann.

Das große weiße Laken dient gleichsam als ´Theatervorhang`, der sich für die Darbietung dieses ungewöhnlichen Schauspiels geöffnet hat. Offensichtlich enthüllt die Jüngere die ältere Hexe und präsentiert sie damit als die ´Meisterin`. Das flatternde Haar, der in Ekstase nach oben gerichtete Blick und die insgesamt ausstrahlende Dynamik dieser Figur steht im Gegensatz zu der tänzerischen Anmut der jungen Hexe. Beide Figuren strahlen aber nichts Gefährliches oder Obszönes aus, sondern behalten vielmehr den ästhetischen Reiz von Aktstudien.

 

Das Besondere der Baldungschen Hexendarstellungen besteht darin, dass er das Motiv mit den zeitgenössischen Tendenzen in der Malerei verband. Die dramatische Bewegtheit der Bildszene, die kühne Erschließung der Bildtiefe und besonders die plastische Ausgestaltung der Figuren gehören zu den wichtigsten Errungenschaften in der Malerei jener Epoche. Dabei gewinnt der weibliche Akt und die Betonung von erotischen Momenten immer stärker an Bedeutung. Aufbauend auf die Proportionsstudien von Albrecht Dürer gelang Hans Baldung eine in ihrer Natürlichkeit überzeugende Darstellung ohne das geheimnisvoll-mystische zu verlieren.

Das Hexenthema diente Hans Baldung offensichtlich als Vorwand um sinnliche, nackte Frauenkörper darzustellen. Der entblößte Körper wird hier selbst zum Attribut und zum magischen Werkzeug. Die Essenz des Hexenwesens ist für Baldung die erotische Ausstrahlung - und nicht die Fähigkeit zu Zaubertaten. Augenzwinkernd ironisiert Baldung damit den Hexenwahn der Zeitgenossen: dies entsprach durchaus dem liberalen Klima in seiner Heimatstadt Straßburg, wenngleich auch hier Hexenverbrennungen stattgefunden haben.

Nicht nur das gesprochene und gedruckte Wort, auch das Bild diente der Verbreitung des Hexenwahns, auch wenn es nicht ausdrücklich zu diesem Zweck hergestellt worden ist. Baldungs Vorliebe für Spuk- und Traumhaftes, für die fantastischen und unheimlichen Nachtseiten des Lebens sollte uns nachdenklich machen. Es war die Zeit des Hexenglaubens und zugleich der grauenvollsten Hexenverfolgung. 1484 veröffentlichte Papst Innocenz VIII. die Hexenbulle. 1486 erschien der Hexenhammer. Mit seinen insgesamt 29 Auflagen war es das meist gelesene Buch in dieser Zeit.

Die Zeitgenossen müssen im Bild der Zwei Hexen die lebendige und überzeugende Darstellung eines Geschehens erblickt haben, das man zwar nie mit eigenen Augen gesehen hatte, von dem man aber täglich hörte, an das man glaubte, das die Gemüter mit Angst und mit Gier erfüllte und vergiftete.

Literatur:
Lit.: Bodo Brinkmann, Hexenlust und Sündenfall, Die seltsamen Phantasien des Hans Baldung Grien, Ausstellungskatalog, Städel Museum, Frankfurt am Main, 2007, Petersberg, 2007. Ders.: Das Städel, Frankfurt am Main (Prestel Museums-führer), München u.a. 1999; Sigrid Schade, Schadenzauber und die Magie des Körpers, Hexenbilder der frühen Neuzeit, Worms 1983.

Ausstellungstipps:
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe: Grünewald und seine Zeit, bis 2. März 2008, www.kunsthalle-karlsruhe.de / www.matthias-gruenewald.com
Straßburg (F), Galerie Heitz im Palais Rohan: Attraits subtil. Dürer, Baldung Grien et Cranach d`ancien, bis 9. März 2008, musees-strasbourg.org.
Frankfurt a.M., Städelsches Kunstinstitut, www.staedelmuseum.de

 
 

 

 

 

 
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