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Bild des Monats Januar 2008
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Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553):
Der Jungbrunnen, 1546.
Öl auf Lindenholz, 122,5 x 186,5 cm Gemäldegalerie Berlin.

  Lucas Cranach d.Ä., Der Jungbrunnen  

Wie ein Theaterstück inszenierte Cranach sein Gemälde, das von der Sehnsucht des Menschen nach Unsterblichkeit und ewiger Jugend handelt. Der Mensch träumt davon, seine verbrauchte leibliche Hülle verlassen zu können, um verjüngt, frisch und voller Tatendrang wieder neu zu erstehen. Die Vorstellung von der reinigenden Kraft der Elemente, Feuer und Wasser, ist so alt wie die Menschheit selbst.

Das Zentrum des Geschehens bildet ein mit Wasser gefülltes Becken, der so genannte Jungbrunnen, in dem sich Badende vergnügen. Er liegt inmitten einer detailliert und phantasievoll gestalteten Landschaft fernab von menschlichen Ansiedlungen. Der Ablauf der Handlung entspricht der Leserichtung von links nach rechts.

Aus einer kargen, felsigen Landschaft werden von links auf steinigen Wegen alte, gebrechliche Frauen auf Wagen und Karren herbeigefahren, getragen oder streben selbst voller Hoffnung dem Becken zu. Andere werden entkleidet und vom Arzt untersucht. Einige zögern oder bedürfen der Überredung.

Im Wasser verjüngen sie sich zusehends, um diesem am rechten Beckenrand frisch und in jugendlicher Gestalt wieder zu entsteigen. Hier werden sie von einem Kavalier empfangen und zu einem Zelt geleitet, wo man sie neu einkleidet.

In neuen Gewändern und festlich geschmückt geben sie sich danach den Freuden des Lebens hin. Das fröhliche Treiben bei Essen, Tanz, Musik und Liebesspiel ist in einer blühenden fruchtbaren Landschaft angesiedelt. Dies ist die Heimstatt ewiger Jugend. Auf der linken Seite ist ihr die karge Felswildnis als Sinnbild des Alters und seiner Beschwerden gegenüber-gestellt. So sind die Elemente der Landschaft ganz auf das Bildgeschehen bezogen und diesem zugeordnet.

 

Auf dem Brunnenstock im Wasserbecken sind die Figuren der Liebesgötter Venus und Amor zu sehen. Sie zeigen an, dass der Jungbrunnen ein Liebesbrunnen ist und die wunderwirkende Kraft der Liebe der eigentliche Quell immerwährender Jugend ist. Allerdings scheinen nur Frauen des Bades zu bedürfen, während sich die Männer allein im Umgang mit diesen von selbst verjüngen. Lucas Cranach hat das alte Thema Jungbrunnen ganz im Sinne des höfischen Geschmacks seiner fürstlichen Auftraggeber umgedeutet und als Liebes- oder Venusbrunnen neu interpretiert.

Seit 1518 mehren sich in der Werkstatt Cranachs profane und erotische Themen. Aber auch biblische Erzählungen und Legenden populärer Märtyrerinnen nimmt Cranach zum Vorwand um Akte zu malen. Die Bilder gelangten in die Kunstkabinette der Auftraggeber, die ihre Sammlungen ausgewählten Besuchern präsentierten. So zeigte z.B. der schlesische Bischof seinen Gästen gerne das fröhliche Tête-à-Tête Adams und Evas, ein Gemälde, das sich ebenfalls in der Gemäldegalerie in Berlin befindet.

Die Akte Cranachs zeigen, dass er sich nicht für die Anatomie der nackten Menschen interessierte - im Gegensatz zu Dürer, der mit Zirkel und Richtscheit die natürlichen Proportionen wiederzugeben verstand. Cranach hat sich allein für die verkäufliche Realisierung seiner Themen interessiert, und diese entsprach dem ´gotischen Schönheitsideal` seiner Kindfrauen, welche die Auftraggeber bevorzugten.

Cranachs vieldiskutierter Altersstil ist wohl am zutreffendsten als Werkstattstil zu begreifen. Dieser Stil war überwiegend von Routine geprägt. Mit Reichtum und Anmut variiert er die Details der Grundthemen, die das Publikum verlangte, um in den vielfigurigen Gemälden, wie z.B. dem Jungbrunnen, amüsiert nach Einzelheiten zu fahnden.

Literaturtipp:
B. Brinkmann (Hrsg.), Lucas Cranach, Katalog der gleichnamigen Ausstellung in Frankfurt a.M. / London 2007/08, Ostfildern 2007.
P. Moser, Lucas Cranach. Sein Leben, seine Welt, seine Bilder, Bamberg 2004. W. Schade, Lucas Cranach. Glaube, Mythologie und Moderne, Wuppertal 2003.

Ausstellungen:
Frankfurt a.M., Städel: bis 17. Februar 2008, Lucas Cranach .d. Ä., 1472-1553, www.staedelmuseum.de
Madrid, Museo Thyssen-Bornemisza: bis 6. Januar 2008, Dürer and Cranach, Art and Humanism in the German Renaissance, www.museothyssen.org
Rom, Palazzo Ruspoli: bis 27. Januar 2008, Da Cranach a Monet. Capolavori della collez. Pérez Simón, www.fondazionememmo.com
Straßburg, Galerie Heitz: bis 24. Februar 2008, Attraits subtile. Dürer, Baldung Grien et Cranach d`ancien, www.musees-strasbourg.org
Berlin, Gemäldegalerie: www.gemaeldegalerie-berlin.de

 
 

 

 

 

 
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