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Bild des Monats Oktober 2007
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Diego Velázquez de Silva
Las Meninas, 1656, Öl auf Leinwand,
316 x 276 cm,
Madrid, Museo del Prado
Eine Szene aus dem Alltag eines Hofmalers: Die königliche Familie stattet dem Künstler in dessen Atelier einen Besuch ab, wo dieser gerade an einem Porträt arbeitet.
Links hat sich Diego Velázquez selbst vor einer Staffelei porträtiert, neben ihm umgeben die Hofdamen (las meninas) die fünf Jahre alte Infantin Margerita Teresa. Rechts stehen zwei Zwerge des Hofstaates und hinter der Gruppe ist Doña Marcela de Ulloa, die Anstandsdame der Hofdamen, zu sehen. Im Hintergrund wendet sich José Nieto, der Hofmarschall der Königin, auf der Treppe noch einmal dem Atelierraum zu.
Der Spiegel an der Rückwand des Ateliers zeigt Philipp IV. und seine Frau Maria Anna. Werden sie porträtiert oder sind sie nur weitere Gäste im Atelier des Malers, der vielleicht auch die Infantin porträtiert? Beides ist möglich.
Mit der Einblendung ihres Spiegelbildes ist das Königspaar anwesend und abwesend zugleich. Auf jeden Fall sehen wir, was das spanische Königspaar sieht: die vielen Menschen, die sich im Atelier des Malers aufhalten.
Schon 1882 fragte der französische Schriftsteller Théophile Gautier als er vor diesem Gemälde stand: „Wo ist das Bild?“ In dieser Frage steckt schon das Spektakuläre dieses Werkes, denn die Frage weckt die Vorstellung der Betrachter selbst sei im Atelierraum! Mit dem Spiegelbild im Hintergrund wird die Grenze zwischen Betrachter und Werk, Raum und Zeit, Realität und Illusion gleichsam gesprengt. Denn dort wo das Königspaar stehen müsste, wie es das Spiegelbild im Bild vorgibt, steht der Betrachter.
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Spektakulär ist auch der Einsatz von Licht und Schatten sowie der Umgang mit den Gesetzen der Perspektive. Mit dem Licht führt der Maler unser Auge von einem Blickpunkt zum nächsten. Von der Fensterreihe rechts spendet nur das letzte Fenster Licht, das den rückwärtigen Atelierraum ausleuchtet. Dafür sehen wir im Treppenhaus, außerhalb des Ateliers, noch eine weitere Lichtquelle. Mit der kunstvollen Lichtführung vermag der Maler Innen und Außen, Sichtbares und Unsichtbares zu verbinden.
In strahlendes Licht ist die Infantin getaucht. Das Gesicht und das blonde Haar der Prinzessin wirken selbst wie eine Lichtquelle. Wo ist das Licht anzusiedeln, das die Infantin, die Mauer am rechten Bildrand und auch das Spiegelbild des Königspaares ausleuchtet? Dort, wo sich vermeintlich das Königspaar befindet?
Offensichtlich konzentrieren sich fast alle Atelierbesucher auf das Königspaar. Auch Velázquez, der sich als Mitglied der königlichen Familie porträtiert, scheint in Kommunikation mit dem Königspaar. Man weiß, dass es Velázquez sehr auf seine Rangstellung bei Hofe ankam. Er hatte sich einen großen Teil der, von seinem
Schwiegervater verfassten, Abhandlung El arte de la Pintura angeeignet, welche den hohen Rang der Malkunst verteidigt.
Demzufolge stellt Velázquez König und Königin – so zweideutig die Methode auch ist – durch ihre Anwesenheit als Zeugen seines Schaffens dar. Er selbst, in der Tracht der Santiago-Ritter, erscheint auf dem Bilde in einer Pose der Bedächtigkeit, als wolle er zeigen, dass die Malkunst nicht nur handwerkliche, sondern auch Gedankenarbeit bedeutet.
Die Figuren des Gemäldes scheinen mitten in ihren Bewegungsabläufen festgehalten worden zu sein. So wie es die Impressionisten – vor allem Degas – später in ihren Momentaufnahmen darzustellen vermochten.
Das Gemälde Las Meninas repräsentiert den Höhepunkt in der Entwicklung der barocken Raumfiktion und ist ein einzigartiger Beweis für das Können Velázquez, die Kunst, die Wirklichkeit und die Illusion in einem Bild zu vereinen.
Literatur:
T. Greub, Las Meninas im Spiegel der Deutungen, Berlin 2001. D. Beaujean, Diego Velázquez, Leben und Werk, Köln 2000.
Weblinks:
http://museoprado.mcu.es |
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