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Bild des Monats September 2007
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Wilhelm Heiner (1902-1965)
La Farondole, 1951
Studie zum großen Triptychon im Stadttheater Bielefeld,
Öl auf Leinwand, 42 x 106 cm
Privatbesitz, Düsseldorf
Den provenzalischen Volkstanz „La Farondole“ hat Heiner in mehreren Gemälden thematisiert. Erste Studien gehen auf das Jahr 1930 zurück, als der Künstler in Südfrankreich lebte. Die früheste noch erhaltene Fassung ist zwischen 1937 und 1945 entstanden und befindet sich heute im Westfälischen Landesmuseum Münster. 1951 griff Heiner das Thema abermals in dieser Ölstudie auf. Sie ist ein Entwurf für die große Version des provenzalischen Volkstanzes im Foyer des Bielefelder Theaters - gestiftet von der Familie Oetker.
Für das überdimensionale Gemälde (175 x 440 cm) im Bielefelder Stadttheater wählte Heiner die Form des Triptychons. Das Mittelbild stellt den eigentlichen Tanz – „La Farondole“ – dar, der rechte Flügel den Gitarristen und der linke Flügel einen Musiker mit Trommel und der Querflöte. Beide Figuren rahmen – vergleichbar Heiligenfiguren auf den großen Flügelaltären – das Geschehen im Zentrum ein, begleiten und steigern so das Hauptthema in der Mitte. Als Modell für diese flankierenden Figuren diente Heiner der Sohn Anton. Das Wandbild im Theater trägt den Titel „Souvenirs de Saint Maries de la Mer“.
Der Bildhauer Wilhelm Heiner entwickelt sich während seines mehrjährigen Studienaufenthaltes in Südfrankreich zum Maler. Im Mai 1930 schrieb er anlässlich der ersten Fassung des Gemäldes: „Ich erlebe den Farbkreis (...) eigentlich zum ersten Mal (...). Der Farbkreis ist das A und O meiner Gedanken und Symbol für alles Lebendige und Tote geworden (...). Ich male gerade an einem Bild, die Farondole (...). Um alles Erzählende auszuschließen und um abstrakter zu sein, habe ich alles in eine Bildfläche gelegt. Der Hintergrund muß stark nach vorn gehen und der Vordergrund das Bestreben haben, nach hinten zu wirken.“ |
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Erst bei der Umsetzung des Themas für das Stadttheater wird Wilhelm Heiner dem im Brief formulierten Anspruch in Gänze gerecht. Jetzt verzichtet er im Mittelteil auf kleinteilige anekdotische Motive – wie z.B. die deutliche Zeichnung des Meeres mit Segelschiffen und die hochgelegene Kirche in Saint-Maries-de-la-Mer, die im Gemälde des Landesmuseum Münster noch deutlich im Hintergrund zu erkennen sind. Der Tanz nimmt nun nahezu die gesamte Bildfläche ein. Die gesamte Studie übertrifft das Münsteraner Bild an Spontanität und Farbigkeit, die Komposition ist weniger streng in eine umfassende äußere Form gesetzt. Hier führt weder ein Vordergrund den Betrachter ins Bild hinein noch gibt ein Hintergrund den Blick in eine Landschaft frei. Alles konzentriert sich auf den Tanz, dessen rhythmische Bewegungen noch lebhafter und die „Farbgebung noch erregender wirkt“ (H. Becker, Bielefeld 1966) als bei den vorangehenden Fassungen.
Nachdem das Bild 1952 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, erhob sich Kritik. So meinte ein Leser in der Westfälischen Zeitung, dass das Thema des Bildes und der Ort der Hängung nicht gut zusammen passen. Einem Briefentwurf Heiners aus dem Nachlass des Künstlers ist die Erwiderung des Malers auf die Kritik zu entnehmen:
„Der Tanz ist der Ursprung aller Künste. Die Lebenskraft und Lebenslust, die vom Tanz ausgeht, wirkt auf die Seele und der Tanz wird als die älteste Kunst betrachtet, und man findet ihn in einer Gemeinschaft mit Musik und Poesie bei allen Völkern. Die Begleiterscheinung des Tanzes ist die Musik. Zuerst genügte der einfache Rhythmus durch Händeklatschen, der später durch Taktschlagen auf einer Trommel und durch die menschliche Stimme verstärkt wurde. (...). Mit Tanz und Musik geht die Lyrik Hand in Hand. Die große soziale Bedeutung, die der Tanz im Leben der Kulturvölker einnimmt, ist eine Wichtigkeit, die durch den Umstand gesteigert wird, dass ihm in seinem Ursprung magische Wirkungen zugeschrieben werden. Aus dem Tanz entstand die Pantomime, aus der später in Byzanz die ersten Opern entstanden.“
Quellen / Literatur:
Ulrich Schmidt, „Der Farbkreis ist das A und O ...“ Wilhelm Heiner und seine Arbeiten für das Bielefelder Theater, in: Katalog zur Ausstellung: Wilhelm Heiner, Der Tanz ist der Ursprung aller Künste, Stadttheater Bielefeld, 2007.
Gudrun Pamme-Vogelsang, Alles Ton und Schwingung, Wilhelm Heiner zum 100. Geburtstag, Bielefeld, 2002. Kontinuität und Brüche, in: KunstLeben 1945-1960. Wendt, Heiner, Kraft und die Bielefelder Kunstszene. Ausst. Kat. Bielefeld 2001. Wilhelm Heiner 1902-1965, Ausst. Kat. Bielefeld 1966.
Ausstellungen / Links:
Wilhelm Heiner, Der Tanz ist der Ursprung aller Künste, Stadttheater Bielefeld, 25. August bis 31. Oktober 2007.
Von der Bühne fasziniert, Henning von Gierke, Wilhelm Heiner, Hans Jürgen Kallmann, Arnulf Rainer, eine Ausstellung anlässlich 15 Jahre Kallmann-Museum im Kallmann-Museum in der Orangerie Ismaning vom 13. Juli bis 7. Oktober 2007, www.kallmann-museum.de
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