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Bild des Monats Mai 2007
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Paul Gauguin, Arearea Freude (I),
1892 Öl auf Leinwand, 75 x 94 cm
Musée d`Orsay, Paris
„Ich wollte das Recht durchsetzen, alles wagen zu dürfen ...“ (P. Gauguin, 1903)
Das Bild „Arearea“, in Deutsch mit „Freude (I)“ und auch „Scherze“ übersetzt, zeigt eine phantastische Landschaft auf Tahiti, wo Gauguin seit Juni 1891 lebte. Es gehört zu den zahlreichen Gemälde, welche die Landschaft und die Menschen der Südsee zum Inhalt hat, in der Gauguin ein Paradies zu finden erhoffte.
Die harmonisch anmutenden Szenen mit verträumten Tahitianerinnen in den surreal anmutenden Landschaften, beeindrucken den Betrachter immer wieder aufs Neue. In der Tat zeichnen sich die Werke Gauguins durch eine mystische, eindringliche Feierlichkeit aus. Der klare und doch rätselhafte Aufbau der Kompositionen und die ebenso geheimnisvollen farbigen Teilflächen machen das Ansinnen des Künstlers deutlich: „die Synthese von Form und Farbe, die sich allein durch das Hervorheben des Wesentlichen ergibt,“ wie Gauguin es selbst ausdrückte. Doch was ist das Wesentliche in diesem Bild?
Im Sommer 1892 unternimmt Gauguin einen Ausflug ins Innere des Landes. Unterwegs wird ihm ein 13jähriges Mädchen zur Frau angeboten. Gauguin nimmt Tehamana (später nennt er sie Tehura) mit in sein Dorf Mataeia und verlebt seine glücklichste Zeit: „So mussten im Paradies einmal der erste Mann und die erste Frau gelebt haben“, schrieb Gauguin.
In dieser Zeit beschäftigte sich Gauguin intensiv mit tahitischen Sagen und dem antiken Kult der Maoris – eine Auseinandersetzung, die auch in seinen Bilder sichtbar wird. Doch stützte sich Gauguin dabei weitgehend auf seine eigene Phantasie, denn die rituellen Kultstätten und -Gegenstände der Tahitianer waren unter dem Einfluss der christlichen Mission verschwunden.
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In diesem Zusammenhang gehört auch der tahitische Glaube an die Geister der Toten, jene „Tupapaús“, vor denen sich die Tahitianer, obwohl sie den christlichen Glauben angenommen hatten, immer noch fürchteten. Diesen Geistern hat Gauguin in seinen Bildern ein Gesicht gegeben. So ist auch in diesem Bild „Arearea“ links oben eine monumentale Götterstatue zu erkennen, vor der drei Personen einen rituellen Tanz aufführen.
Den Schlüssel zum Verständnis des Bildes finden wir in den Ereignissen im Herbst 1892 und im Vergleich mit weiteren Bildern Gauguins aus dieser Zeit. Im Oktober 1892 ist Gauguins Geliebte Tehamana schwanger, doch ist von der Geburt des Kindes nichts bekannt. Es wird vermutet, dass das Kind kurz nach der Geburt verstarb. So kann das weiße Gewand, das die im Lotossitz hockende Tehamana trägt, als Zeichen der Trauer angesehen werden: Weiß symbolisiert auf Tahiti die Klage. Dieser Totenklage ist auch das Flötenspiel der zweiten Person zuzuordnen, sowie der am Boden schnuppernde Hund.
Diese Bildinterpretation mag überraschen, da sie so gar nicht zum Titel des Bildes zu passen scheint. Doch kommt in diesem vermeintlichen Widerspruch die Paradiessehnsucht Gauguins zum Ausdruck. Diese paradiesische Illusion schaltete alle, der Zivilisation angehörende Konflikte und Ängste aus. Dazu gehörte der Geschlechterkampf ebenso, wie der Lebenskreislauf von Geburt und Tod – ein stetes Werden und Vergehen, dem sich der ´Naturmensch` noch nicht entfremdet hatte.
Gauguin wollte nicht die Realität wiedergeben. Mit unnatürlichen Farben, werden von ihm die Bildinhalte symbolisch verdichtet, sodass z.B. die Landschaften nahezu abstrakt erscheinen. Damit wird Gauguin zu einem wichtigen Vorreiter für die moderne Kunst.
„Die Welt“ so schrieb er kurz vor seinem Tod, „schuldet mir nichts, denn mein malerisches Werk ist nur relativ gut, aber die Maler, die heute von dieser Freiheit profitieren, sie schulden mir etwas.“
Literatur:
Paul Gauguin, Das verlorene Paradies, hg. v. Georg-W. Költzsch, Ausstellungskatalog, Köln 1998.
Paul Gauguin – Tahiti, hg. v. Christoph Becker, Ausstellungskatalog, Ostfildern-Ruit 1998.
Paul Gauguin, Briefe und Selbstzeugnisse, hg. v. Kuno Mittelstädt, München 1970.
Mario Vargas Llosa, Das Paradies ist anderswo, Frankfurt a. M. 2004.
Links:
www.musee-orsay.fr
www.museum-folkwang.de
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