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Bild des Monats April 2007
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Pierre-Auguste Renoir,
Die Regenschirme, um 1881-86,
Öl auf Leinwand, 180,3 x 114,9 cm,
National Gallery, London

Pierre-Auguste Renoir, Die Regenschirme

„Für mich muß ein Bild vor allem etwas Liebenswertes, Hübsches und Erfreuendes sein. Ja, etwas Hübsches. Es gibt im Leben genug ärgerliche Dinge, es ist nicht nötig, dass wir noch neue in die Welt setzen.“

Dieser Ausspruch von Auguste Renoir beschreibt sehr treffend die Kunst des Malers mit den überwiegend freundlichen und sinnliche Lebensfreude verkündenden Motiven. Das Bild „Die Regenschirme“ gewinnt den Betrachter durch das heitere Spiel mit den Farben und Formen in einer turbulenten Straßenszene. Hier geht die impressionistische Addition einzelner Motive ein in die Renoirsche Bewunderung für Frauenschönheit, reizende Kinder und zärtliche Blicke.

Wir stehen den Menschen unmittelbar gegenüber und werden gleichsam mit auf den Boulevard gezogen, um dort an dem dichten Treiben teilzunehmen. Die vielen Menschen, der Ort und die Wetterlage rufen zahlreiche Assoziationen hervor. Sie wecken Gedanken zum Thema Reisen, Mitgehen und Abschiednehmen, Verzagtheit und Krankheit, Jugend und Alter, Einsamkeit und enges Miteinander.

Schauen wir uns das Bild etwas genauer an, fällt auf, dass es in zwei gegensätzlichen Malweisen komponiert ist. Links hat der Maler die statuarisch wirkenden Figuren in ein fest gefügtes Liniengerüst komponiert. Die äußeren Konturen sind scharf gezogen und grenzen die Personen deutlich voneinander ab.

 

Vergleichbar antiker Mantelfiguren hat Renoir die Falten des Kleides bei der jungen Frau mit Korb im Vordergrund plastisch durchgestaltet. Die Schwere des Rocks, den die Frau mit ihrer Rechten anhebt, wird geradezu körperlich erfahrbar. Auch diese Geste scheint Renoir antiken Skulpturen entlehnt zu haben. Nicht zuletzt wirkt die Seite dunkler als die rechte Bildhälfte.

Dort steht weniger die Form als vielmehr die Farbe im Vordergrund. Mit impressionistischen Mitteln hebt Renoir hier die strenge Linearität auf, löst die Isolierung der Figuren, setzt mit lockerem Pinselstrich farbige Akzente und bringt Bewegung in die zwischenmenschlichen Interaktionen.

Der Junge im Bildmittelgrund scheint die Wetterlage zu prüfen. Sein Schirm bildet gleichsam eine Trennungslinie zwischen Bildvordergrund und -hintergrund, aber auch zwischen den beiden Bildhälften links und rechts.

Die aufgespannten Regenschirme, deren runde Form in der Hutschachtel der Modistin und im Reif des kleinen Mädchens wiederholt werden, verbinden alle Bildteile miteinander. Nur im Hintergrund, am oberen Bildrand lichtet sich das dicht Gedrängte und gibt den Blick frei auf einen bewölkten Himmel und das bunte Blattwerk einer Baumkrone.

Dieses Bild ist kein impressionistischer Augenblickseindruck, sondern bis ins Detail wohl durchdacht komponiert, ohne dabei den spontanen Charakter des verregneten Tages auf einem dicht bevölkerten Pariser Boulevard zu verlieren. Zufällige rasche Bewegungen und Überschneidungen verbindet Renoir mit der antiken Statuenhaftigkeit und dem abstrakten plastischen Muster der Regenschirme, die dem Bild seinen Namen geben.

Renoir hat das vordergründig so banal anmutende Thema zum Vorwand genommen um mit malerischen Mitteln, mit Linie, Form und Farbe, Alltag, Lebensrealität und menschliches Miteinander in seinem Bild auszuloten. So konfrontiert er das Paar links mit der Familiensituation auf der rechten Seite: Links noch fragende Unsicherheit - rechts die selbstverständliche Leichtigkeit in einer gesetzten Ordnung. Interessant ist, wie Renoir dies wiederum mit formalen Mitteln konterkariert, also die Unsicherheit in feste Formen fügt und dem gegenüber den fest gefügten Status der Familie in impressionistischer Manier auflöst.

Literatur:
Sophie Monneret, Renoir, Köln 1990. Adriani Götz, Renoir, Katalog der Ausstellung <Renoir – Gemälde 1862-1917> in Tübingen 1996, Köln 1996.
Néret Gilles, Renoir, Maler des Glücks, Köln u.a. 2001.

Ausstellungen / Links:
Renoir Landscapes 1865-1883, National Gallery London, bis 20. Mai 2007: www.nationalgallery.org.uk

From Pissarro to Picasso, Europaen Works on Paper, Museum of Art, Columbia (USA), bis 3. Juni 2007: www.colmusart.org

Von Renoir bis Feininger. Werke der klassischen Moderne aus dem Karl Ernst Osthaus Museum Hagen, Clemens-Sels-Museum, Neuss, bis 29. Mai 2007: www.clemens-sels-museum.de

 
 

 

 

 

 
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