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Bild des Monats Februar 2007
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Hieronymus Bosch, Garten der Lüste,
um 1510, Madrid, Museo del Prado,
Öl auf Holz, 220 x 389

Hieronymus Bosch, Garten der Lüste

Das Triptychon der Garten der Lüste gehört zu den reizvollsten und umstrittensten Bildwerken von Hieronymus Bosch. Philipp II. (1527-1598) von Spanien kaufte das Werk von dem Sohn des Herzogs von Alba, dem ehemaligen Statthalter der Niederlande. Philipp verfolgte in der Zeit der Religionskriege jede Abweichung von der römischen Kirchenlehre mit Folter und Feuer. Dass dieser christliche König den Garten der Lüste akzeptierte, dient vielen als Beweis, es handle sich um ein rechtgläubiges Werk.

Beginnen wir den Paradiesflügel zu lesen: Bosch hat alle naturwissenschaftlichen Kenntnisse seiner Zeit aufgewendet um sein Paradies mit Tieren, Pflanzen und Mineralien der verschiedenen Gegenden der Erde anzufüllen. Alles scheint in dem friedlichen Garten Heiterkeit und Unschuld zu atmen.

Adam ist schon erwacht und erblickt Eva. Nicht Gottvater, sondern Jesus segnet diese Verbindung und sieht dabei den Bildbetrachter sehr ernst an. Die Schlange ist weit verbannt. Oberhalb von Eva schlängelt sie sich um den rechts am Teich stehenden Baum der Erkenntnis. Der Lebensbaum wächst groß, exotisch und fruchtbar hinter Adam.

In der Mitte erhebt sich der Lebensbrunnen mit der Eule als Sinnbild der Weisheit. Der Garten Eden schließt Gewalt nicht aus – so fressen große Tiere die kleinen. Oben bilden phantasievolle Felsformationen den Abschluss der Tafel. Vogelschwärme entströmen ihnen und umflattern sie unaufhörlich. Mal fliegen sie zu Futterplätzen oder zu ihrem Grab oder einem geborstenen Ei, das zu dem selben Felsen gehört, dem unaufhörlich neue Vogelschwärme entströmen: Sinnbild für Geburt, Tod und Wiederkehr.

Das Paradies geht landschaftlich in den Garten der Lüste auf der Mitteltafel über. Als Zeichen für die Entschlüsselung des Inhalts ist der große Fisch in der Mitte unten zu sehen. Er ist nicht als banales Symbol männlicher Geschlechtlichkeit zu lesen sondern als Sinnbild Christi. Der Fisch ist Christus und steht für ein Leben ohne Sünde: Deshalb haftet der menschlichen Sexualität auch nichts Negatives an. Im Gegenteil: Männer und Frauen nähern sich zärtlich und pflegen ein liebevolles beieinander. Sie speisen köstliche Früchte als Zeichen von Lebensfülle und Glück.

 

Die Verzückung steigert sich in der Mitte, wo Männer auf potenten Tieren um einen Teich reiten. Das Ei genau in der Mitte des Bildes ist das Welten-Ei, Ursprung des ganzen Lebens. Geschmückte Frauen tummeln sich im Wasser, das an einen Jungbrunnen erinnert. Schon zur Zeit des Malers war der Gedanke einer Völker umfassenden Menschengemeinschaft lebendig. In diesem hohen Lied der Liebe und Freundschaft durften Andershäutige nicht fehlen. Die Ströme im oberen Bildfeld sind die Hauptwasser des Paradieses.

Auch mit dem Paar in der Muschel, die ein Mann davonträgt, ist keine negative Aussage zur Sexualität verbunden. Zu den Liebenden hat Bosch Perlen - Sinnbild für die Liebe Gottes - gelegt, und damit die sündenfreie Natürlichkeit der Liebe betont.

Sogar den notwendigen Vorgang der Ausscheidungen hat Bosch thematisiert und die Kirche, die das Natürliche verteufelte, kritisiert. Aus dem Hinterteil eines Jünglings wachsen Blumen, ein zweiter pflückt sie. Auf dem Höllenflügel rechts sehen wir, wie ein sperberköpfiger Satan einen Sünder verschlingt. Diesem fliegen schwarze Vögel aus dem Hinterteil: das Böse pflanzt sich fort. Im Paradiesgarten der Lüste sprießen dagegen Blumen.

Auf dem rechten Flügel, der sog. musikalischen Hölle, sehen wir die subtilsten Folterungen und Schrecken, die je gemalt wurden. Hier erst erliegen die Menschen ihren Lastern: Arroganz, Spottlust, Raffgier und Unbeherrschbarkeit richten sie zugrunde. Oben sehen wir eine brennende Stadt. Es ist die Welt Boschs, die untergeht. Im Gesicht des Baummenschen in der Mitte und in der Figur, die nachdenklich aus dem geborstenen Ei schaut, hat man immer wieder den Maler selbst erkennen wollen - Hieronymus Bosch, der dieses Inferno träumt.

Literatur:
• Hans Belting, Hieronymus Bosch,
Der Garten der Lüste. München 2002.
• Silver Larry, Hieronymus Bosch,
München 2006.
• John Vermeulen, Der Garten der Lüste. Roman über Leben und Werk des Hieronymus Bosch. Aus dem Nieder-ländischen von Hanna Ehlers, Zürich 2002.

Ausstellungen / Weblinks:
• Himmelschöre und Höllenkrach. Musizierende Engel und Dämonen in der Kunst. Ausstellung in Hamm, Gustav-Lübcke-Museum, bis zum 25. Februar 2007. www.hamm.de/gustav-luebcke-museum.html
• Von Memling bis Rubens. Flämische und holländische Malerei des Museums. Ausstellung in Straßburg (F) Musée des Beaux-Arts, bis 18. März 2007.
www.musees-strasbourg.org
www.urlaub.de/hertogenbosch.0.html
www.prado.de

 
 

 

 

 

 
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