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Bild des Monats Januar 2007
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Caspar David Friedrich
Das Eismeer, um 1823/24
Öl auf Leinwand, 96,7 x 126,9 cm Hamburger Kunsthalle
Dieses Bild von Caspar David Friedrich trägt zwei Untertitel: „Die verunglückte Nordpolexpedition. Die verunglückte Hoffnung“. „Hoffnung“ war damals ein beliebter Schiffsname, doch das havarierte Schiff im Bild heißt „Gripper“ und es verweist auf ein historisches Ereignis der Jahre, in denen das Bild entstand.
1819/20 und 1824 nahm das deutsche Expeditionsschiff „Gripper“ unter der Führung des englischen Polarforschers William Edward Parry an Nordpolexpeditionen teil, über die ausführlich in den Zeitungen berichtet und die von Panorama-Darstellungen begleitet wurden. Sicher hat Friedrich keine Illustration zu der Expedition liefern wollen, zumal die „Gripper“ nicht untergegangen war. Doch gaben diese Ereignisse Anregungen zu dem Bild.
Auch der Eisgang auf der Elbe im Jahr 1820/21 mag vielleicht eine Anregung für Caspar David Friedrich gewesen sein. Am schwerwiegendsten jedoch war ein frühes Erlebnis des Künstlers: Als Kind brach er beim Schlittschuhlaufen ins Eis ein; sein Bruder Christoffer konnte ihn retten, kam dabei jedoch selbst ums Leben. Das Gefühl tödlicher Kälte und existentieller Verlassenheit, welches Das Eismeer wachruft, erinnert an dieses frühe Trauma des Künstlers. |
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Ursprünglich war Das Eismeer eine Auftragsarbeit für einen Sammler, der zwei Bilder von zwei verschiedenen Malern bestellte. Eins sollte die südliche Natur in ihrer üppigen und majestätischen Pracht und das Pendant die Natur des Nordens in der ganzen Schönheit des Schreckens darstellen. Letzterer Auftrag ging an Friedrich. Das Bild mit der südlichen Natur hat sich nicht erhalten. Die beiden Themen bezeichnen treffend die zwei Pole, aus denen die Romantik ihre Spannung bezieht: Hoffnung und Sehnsucht auf der einen Seite, Verzweiflung und Scheitern auf der anderen.
Für Caspar David Friedrich hatten die mächtigen sich auftürmenden Eisschollen, die das Schiffswrack umklammern, etwas Unbedingtes. Das ewige Eis ist für ihn ein Gleichnis für etwas Absolutes, dem die Verletzlichkeit und Vergänglichkeit des Schiffes als die des Menschen gegenübersteht. Die «verunglückte Nordpolexpedition», zeugt für Friedrich von der Vergeblichkeit, das Wesen Gottes erforschen und zum letzten Wissen vorstoßen zu wollen.
Das Bild selbst war eine 'verunglückte Hoffnung', weil es vom Publikum nicht angenommen wurde. Der französische Bildhauer Pierre-Jean David d'Angers (1788-1856), formulierte nach seiner Betrachtung des Bildes den berühmten Satz, das Caspar David Friedrich der Mann sei, „der die Tragödie in der Landschaft entdeckt hat“.
Literatur:
H. Gaßner (Hrsg.), Caspar David Friedrich – Die Erfindung der Romantik, Katalog der gleichnamigen Ausstellung im Museum Folkwang Essen und der Hamburger Kunsthalle, München 2006.
H. Börsch-Supan, Caspar David Friedrich, München u.a. 2005.
W. Hofmann, Caspar David Friedrich. Naturwirklichkeit und Kunstwahrheit. München 2000.
Ausstellung:
Caspar David Friedrich – Die Erfindung der Romantik. Hamburg, Kunsthalle, 7. Oktober 2006 bis 28. Januar 2007. www.hamburger-kunsthalle.de
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